Samstag, 23. Mai 2015

23.05.: Marrakesch, Klappe die zweite

Auch wenn ich die allgemeine Schwärmerei noch immer nicht teilen kann, hat mir mein Marrakesch-Besuch heute deutlich besser gefallen als gestern. Ich bin es ganz anders angegangen: Bin mit Sack und Pack mitten in die Stadt gezogen, d.h. habe mein Auto auf dem öffentlichen Parkplatz hinter der Koutoubia-Moschee abgestellt.
noch bin ich fast allein, später war es richtig voll

Dort darf man übernachten, der Platz ist bewacht und ummauert und kostet 80 Dirham für 24 Std. Und man ist mittendrin. Und man findet ihn immer gut wieder, weil das Minarett gut sichtbar und allseits bekannt ist.


Zum berühmten Jemaa-el-Fna sind es nur 5 Minuten Fußweg. Das ist so ein großer Platz, auf dem Gaukler, Pferdekutschen, Schlangenbeschwörer, Marktleute, Garküchen, Musiker und tausende Touristen ihr Unwesen treiben. Für mich eher abschreckend, aber immerhin ein guter Orientierungspunkt, von dem aus verschiedene Gassen in die Wirren der Medina und der Souks führen.

Ich habe mich ständig verlaufen! (Gut dass ich mein GPS-Handy dabei hatte ...). Was auf dem Stadtplan wie eine Straße aussah, entpuppte sich oft als ein kaum erkennbarer Tunnel zwischen zwei Läden, der ins Gewirr eines Souks hineinführte.







Eine Henna-Frau grabschte ungefragt meine Hand und verabreichte mir ein Henna-Tattoo, leider nicht mal ein schönes.

Das Mädel, dass (willentlich) nach mir dran war, bekam ein viel hübscheres, wie ich finde.

Auf einem meiner Irrpfade fand ich das:

(Wie sich später herausstellte, wird das sogar im Lonely Planet erwähnt. Ich habe dort dann extra zu Abend gegessen, und die Atmosphäre war sehr un-marokkanisch, aber dennoch angenehm. Der Veggie-Burger war auch unmarokkanisch und wurde prompt recht unangenehm.)

Ich bin dann - Stunden später - bei meinem ersten heutigen Ziel angelangt, dem Maison de la Photographie. Ein ruhiges helles Haus mit interessanten alten Fotos und Panorama-Dachterrasse.







Freitag, 22. Mai 2015

22.05.: Marrakech

Bin in Marrakech angekommen (Camping Le Relais de Marrakech).




Ich bin den ganzen Nachmittag in der Stadt gewesen. Und etwas ernüchtert. All die Faszination, der Zauber, der von Marrakesch ausgehen soll - ich hab nichts davon gespürt :( Ich habe nicht mal Fotos gemacht. 
Eigentlich ist es mir bisher immer gelungen, mir eine Stadt durch zielloses Herumspazieren zu erschließen und sie auf mich wirken zu lassen - in Marrakesch hat das heute nicht geklappt. Es war alles voller Touristen, es ging nur ums Kaufen (dabei waren die Händler überhaupt nicht aufdringlich), alle Läden hatten gefühlt das gleiche Sortiment aus Tajines, Metallschmuck, Gewürzen und Ledertaschen. Nicht mal die Keramik hat mich angemacht, weil ich von völliger Lustlosigkeit ergriffen war.

Das einzige authentische Erlebnis war mein Friseurbesuch in einem Damensalon. Dort hatte ich das Gefühl, in das ganz normale Leben hineinzuschnuppern. Frauen, die sich unter ihresgleichen ungezwungen gaben und ihre Kopftücher ablegten (und darunter kamen trendige Frisuren zum Vorschein) ... Eine Kundin ließ sich auf schmerzhaft aussehende Weise Gesichtsbehaarung entfernen ... Im Flatscreen an der Wand lief eine arabische Soap-Opera, die auch ich dann gebannt verfolgte, denn Bilder sagen mehr als Worte, und wenn soviel Herzschmerz in der Stimme liegt und sogar der Macho Tränen in den Augen hat ob des Todes seiner Braut, dann muss man kein Arabisch verstehen.
Mittendrin hüllte sich die eine Friseurin plötzlich in ihr Tuch, breitete einen Teppich aus und versah ihr Gebet, während um sie herum die Arbeit und das Geschnatter einfach weitergingen.

Hm, vielleicht versuch ich es morgen einfach noch mal und nehme mir dann entgegen meiner Gewohnheit bestimmte Ziele vor. Mein Lonely Planet besteht ja zu einem Großteil aus dem Marrakesch-Kapitel, es gibt also eigentlich genügend zu entdecken.


Donnerstag, 21. Mai 2015

21.05.: am Fluss Ounila (P1506)

Gestern bin ich die bisher schönste Strecke gefahren. Wer keine Zeit/Lust auf Todra- und Dadès-Schlucht hat, findet hier eine mehr als würdige Alternative:
Es handelt sich um die Straße von Ait BenHaddou über Telouet, immer am Fluss Ounila entlang; das ist nur ein kleiner Umweg, wenn man eh von Ouarzazate Richtung Marrakesch fährt.


Die Straße ist asphaltiert und gut fahrbar - bis auf ein längeres Baustellenstück, wo die Oberfläche abgetragen wurde. Ich hatte aber sowieso das Bedürfnis, ganz langsam zu fahren, weil die Landschaft so wunderschön war. Da ich gegen Abend unterwegs war, wurden die Berge und Hügel sehr plastisch von der tiefstehenden Sonne beschienen - allerdings ließ die sich nur sporadisch blicken, denn es war gestern bewölkt und extrem windig.

 ... Landschaft ... wie gemalt ...





Ohne mich vorher um einen Übernachtungsplatz gekümmert zu haben, folgte ich irgendwann einfach einem Wegweiser zur "Auberge Tasga" nach links eine Piste rein. Die etwas holprige Anfahrt wurde belohnt: Ich stehe in einem lauschigen Garten, grün und schattig, auf einer saftigen Wiese - hinter mir plätschert ein Bach übers Grundstück. Aus der Schiebetür blicke ich auf ein kleines Lehmdorf überm Oued. So schön habe ich in Marokko bisher noch nicht gestanden.
(Einziges Manko dieses Platzes ist der abstoßende und nicht funktionsfähige Sanitärbereich, aber da bin ich ja zum Glück autark.)

Wo ist der Bus?

Gestern abend war es allerdings noch ungemütlich, düster und stürmisch; die Nacht war kalt, und ich war kurz versucht, meine Standheizung einzuschalten, aber mir fehlte die Willenskraft, mich noch mal aus meinem dicken Schlafsack zu schälen ...
Dafür weckten mich heute früh Sonnenstrahlen und zwitschernde Meisen, die am Auto herumturnten. Von Wind keine Spur mehr, aber durch die gebirgige Höhe ist die Temperatur trotz Sonne sehr angenehm.

Dienstag, 19. Mai 2015

19.05.: Dadès-Schlucht (R704)

Dann die Dadès-Piste! Meine Güte! Das war meine Feuerprobe; mehr Offroad brauche ich erst mal nicht. Besonders der nördliche Teil der R704 hatte es in sich.
Getrockneter Schlamm mit kleinen Gräben und tiefen Löchern. Felsen ragen aus dem Boden und bilden Huckel und Stufen. Längsfurchen durch Fahrzeuge, Querfurchen durch Wasserläufe. Loses Geröll und tiefe Absätze im Oued. Furten über Kies, Furten durch Schlamm!! (Angst!) Steil hoch in die Kurve über Erde und Steine rutschend, Vollgas im ersten Gang.
Und nie wissen, was da noch kommt. Meine beiden Sorgen waren: 1. das Wetter (dunkle Wolken zogen herauf... wenn diese Piste nass und schlammig wird, dann schaff ich das nie), 2. Sand. Hoffentlich kommt kein Sand.
So fängt es an, ganz harmlos durchs Dorf Agoudal ...







Eines dritten Problems wurde ich erst gewahr, als es sich leibhaftig und völlig frontal vor mir manifestierte: Gegenverkehr! Uuuups. Auf einer seeehr schmalen Bergpiste, wo es links steil runter und rechts steil rauf geht. Keine Chance, irgendwo zu passieren. Das belgische (oder holländische? sie sprachen gut deutsch) Pärchen im Mietwagen war aus der Gegenrichtung gekommen und auch schon ganz schön fertig mit den Nerven.

Wir entschieden, dass ich mit seiner Hilfe zurücksetze. Und zwar ein echt langes kurviges Stück Weg. Bis zu einer Biegung, die wir für geeignet hielten, dass zwei Fahrzeuge sich da aneinander vorbeiquetschen könnten. In der Zwischenzeit kam auch noch ein französisches Touristenpaar hinter den Belgiern an, sodass es sich lohnte mit der schwierigen Rückwärtsfahrt. Hat alles geklappt, aber ich habe danach nur noch gehofft, dass mir weitere Begegnungen solcher Art erspart bleiben.
Mich würde mal interessieren, ob die in ihren kleinen Miet-Pkws die schlammige Furt geschafft haben. Mein Dank an Martin, dessen Anweisung für Wasserdurchfahrten sich heute hundertprozentig bewährt hat!


Es fing dann tatsächlich an zu regnen (Schneeregen!), aber zum Glück sehr gemäßigt, sodass die Piste nicht beeinflusst wurde. Ich sah ein paar Stellen, die tolle Plätze für die Nacht gewesen wären, aber bei solchem Wetter wollte ich nichts riskieren.



Irgendwann nach 4 Stunden oder so war ich jedenfalls wieder auf Asphalt. Der Wagen sieht aus! Aber er hat soooo toll alles mitgemacht! Ich bereue nicht, die Strecke gefahren zu sein, aber noch mal muss ich das nicht machen ;)

Jetzt stehe ich windgeschützt im Camping Pattes de Singe, habe mir ein schnelles Abendessen gemacht und bin müde und ein bisschen stolz über die gemeisterte Herausforderung.

19.05.: Todra-Schlucht (R703)


Ich hatte mir gestern überlegt, dass ich nach Norden hin die Todra-Schlucht durchfahre und auf dem Rückweg dann die Dadès-Schlucht nach Süden. R703 = Todra. R704 = Dadès.

In meinem einen Reiseführer steht, dass die Abkürz-Piste zwischen R703 und R704 für Pkw mit Bodenfreiheit gerade noch machbar sei. Das wollte ich also versuchen. Mir haben aber alle davon abgeraten und versicherten mir, das sei mit dem 2WD-Bus nicht zu schaffen. Mein Plan B war also, den längeren Weg "oben rum" zu fahren, also R703 bis Agoudal und dann komplett R704 wieder bis Boumalne.



Beides waren grandiose, zum Teil spektakuläre Strecken. Die Todra-Straße war asphaltiert, mal mehr, mal weniger gut, meist zweispurig - alles easy. Tolle Ausblicke. Die ersten Furten, aber alle befestigt, und das Wasser floss eigentlich nur wenige Zentimeter hoch über die Straße.









Montag, 18. Mai 2015

18.05.: Von Erfoud nach Tinerhir

Heute bin ich zur Todra-Schlucht gefahren, dazu musste ich erst mal die R702 von Erfoud rüber zur N10.





Danach ging es parallel zur Todra weiter. Die ersten Kilometer wurden noch von allen möglichen Touristenbussen angefahren, aber danach wurde es ruhig.
 


Schon nach kurzer Zeit sah ich links ein paar campende Fahrzeuge, die sich neben der Straße direkt am Fluss niedergelassen hatten. Im Vorbeifahren entdeckte ich deutsche Nummernschilder. Ich setzte also zurück, um zu grüßen, und nach wenigen Minuten stand ich ebenfalls am Fluss und habe dort auch die Nacht verbracht.

Es war sehr idyllisch, der Fluss plätscherte im Hintergrund und lieferte uns Wasser, die anderen badeten auch darin (mir war das aber zu kalt). In den Felsen über uns wohnten tatsächlich Höhlennomaden mit ihren Eseln und Ziegen, die ebenfalls ab und zu zum Fluss runterkamen.
Ziemlich mittig im Bild ist die Nomadenhöhle
 




Nur ganz selten kamen Fahrzeuge. (Heute früh fuhr tatsächlich Marc da entlang, ein Belgier, den ich auf der Fähre getroffen hatte. Er erkannte mein Auto und hielt kurz an.)
Abends saß ich mit Beate und Gerhard zusammen, die 3 Monate durch Marokko reisen. Gerhard baut Kabinen für Geländefahrzeuge mit einer selbst entworfenen Hubdachlösung, sehr interessant! .. und mit Ulli und Wolf, die mit ihrem Volvo Kombi campend durch Marokko reisen, um zu surfen und zu klettern.
Nebenan war Lukas unterwegs, in Gesellschaft von noch mehr Leuten, mit denen ich jetzt aber nicht soviel zu tun hatte ... außer mit Adam, dem Tschechen; da wir beide offensichtlich die einzigen Frühaufsteher waren, haben wir heute morgen zusammen Kaffee getrunken.